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14. März 2013 4 14 /03 /März /2013 13:53

Jannikas Handout:

 

Freie Waldorfschule Heidelberg                             Referentin: Jannika Baumert
Fachbereich Musik            
Abiturjahrgang 2013                                    14.03.2013


Der Einfluss der Industrialisierung auf die Musik des 20.Jahrhunderts


1.  Industrialisierung:
19. Jh. bis in die Gegenwart. Eingeleitet durch eine Vielzahl neuer technischer Erfindungen
Übergang von Agrar- zur industriellen Produktionsweise
Vor der Industrialisierung: Naturgeräusche dominierten; mit der Industrialisierung nahmen die Geräusche in ihrer Art und Vielfalt zu
Neue Geräusche: Atonal, meist polyrhyhmische Muster, zunehmende Lautstärke,Lärmgeräusche wurden undifferenter und dichter


2. Gegensatz: Stille:
John Cage : Stille an sich gibt es nicht ! - Selbstversuch im schalldichten Raum.
Definition: Von STILLE spricht man dann, wenn kein absichtlich erzeugter Ton erklingt.  
LÄRM zeichnet sich durch viele Töne aus, die jedoch  keine Intention ( Absicht ) verfolgen, z. B. das Vorbeifahren von Autos.
SIGNALE  sind Töne, die mit einer Absicht erzeugt werden ( Hund bellt Katze an, Gespräche und MUSIK ).


3. Industrialisierung als Lärmpegel
Überproportionales Verstärken der Signale (bewusst erzeugter Ton ) um sich gegen ansteigenden Lärmpegel durchzusetzen
Ansteigender Lärmpegel wird neurologisch vom Gehirn ausgeblendet


4. Musik als Signal :
        
        A: Physische Möglichkeiten:

Erste instrumentalischen Töne aus Naturmaterialien
Erster Schritt der technischen Entwicklung: Erfindung der Ventile bei Blasinstrumenten → mehr Töne als nur Naturtöne
Nächster Schritt: Metallsaiten auf Streichinstrumenten, Herstellung der Blasinstrumenten aus Blech und Metall Folge: Musik wird lauter
Einsatz von Stahlsaiten hat die Folge → Höhere Töne, schnellere Töne, mehr Staccato
Anwachsen des Orchesters
1920 wurde erstmals das erste elektronische Instrument gespielt ( Ondes Martinaux ), es folgten Ringmodulator und Synthesizer
Ausgleich des zunehmenden Lärmpegels durch Ansteigen der instrumentalen Lautstärke
        
        B: Eine weitere Möglichkeit die emotionale Ebene:
Veränderungen von Harmonien, Rhythmuswechsel und Tempomuster


5. Musik - Komponisten - Werke
Liszt und Mahler: setzten bewusst Dissonanzen ein
Debussy: Schichten von Klängen
Reger: Chromatik (Halbtöne)
Diese Komponisten deuten die Zukunft des 20. Jahrhunderts an

6. Beginnender Expressionismus (für die Musik)
Extreme Lautstärkeunterschiede ( Dynamik )
Extreme Tonlagen (extrem tief / hoch )
Brüchige Melodien ( Spannungsbögen werden nicht mehr aufgelöst )
Ungebundene Rhythmik
Neuartige Instrumente
Komponisten dieser Zeit waren Schönberg, Strawinsky, Hindemith, Bartock


7. Hörbeispiel 1
Strawinsky – Le Sacre du Printemps ( die Heiligkeit des Frühlings )
Eines der energiegeladensten und kraftvollsten Stücke (Ballett ), das jemals komponiert wurde
Bei der Uraufführung in Paris kam es zum größten Skandal in der Musikgeschichte
Harmonik, Motive und vor allem Rhythmus waren fremd
Kein zentrales Motiv sondern ein übereinandergeschichteter Akkord ( 220 mal in dem Stück)
Der Akkord ist Fes-Dur und Es 7
Polyrhythmische Überlagerungen und dauernde Wiederholungen des Rhythmuses waren damals unüblich
Opfertanz: Mädchen tanzt sich zu Tode
Wieviel Menschsein opfert der Mensch der Industrialisierung ?
Wieviel Individuelles und wieviel Freiheit gibt er auf ?


8. Nach dem 1. WK: Schönbergs Einführung der 2-Ton Musik
Edgar Varese setzt bewusst Geräusche in der Musik ein
1920 Einzug der Elektrizität in die Musik
Erfindung der Ondes Martinaux
Musikstücke von Oliver Messiaen galten als Meilenstein für die gesamte elektronische Musik
wichtiger Einfluss auf John Cage und Stockhausen


9. John Cage
Ende zweiter Weltkrieg
Er studiert Harmonielehre bei einem Schüler von Schönberg
Veränderte traditionelle Instrumente ( präpariertes Klavier )
Präpariertes  Klavier mit Nägel, Radiergummi, Holzknochen, nach Münzwurf wahllos zusammengestellt
Einbringung technischer Entwicklung, Plattenspieler mit Messtönen, Radios und anderer Haushaltsartikel
„Imaginary Landscapes“ -  Serie von fünf Stücken entstand


10. Hörbeispiel 2:
Imaginary Landscape Nr 1 – J. Cage
Philosophie: in jedem Gegenstand wohnt eine Seele die wenn er zum erklingen gebracht wird, hervortritt



11. Hörbeispiel 3:
 As slow as possible - J. Cage
Längstes Konzert der Welt ausgelegt auf 639 Jahre, jedes Jahr ein Tonwechsel
nach Zufallsprinzip komponier   ( Summen Gottes)
Gegenteil zur Industrialisierung -  nämlich Entschleunigung




12. Stockhausen
Deutscher Komponist
Weiterentwicklung der 12 Ton Musik (mathematisch in Zahlen und Proportionsreihen aufgebaut )
Wichtiger Vertreter der elektronischen Musik
Technische Mittel: Sinustöne, Tonbänder, Nachhallgeräte, Mikrofone als Instrument, sogar Tontechniker und Hubschrauber wurde als Instrumente eingesetzt


13. Hörbeispiel 4:
„Helikopter Streichquartett“ - Stockhausen
Besetzung: vier Streicher, vier Helikopter mit Piloten, vier Tontechniker, Audio und Equipment
Intention : möglichst große räumliche Distanz zwischen Interpret und Publikum
Räumliche Musik ( rechts, links, oben, unten ) Aufkommen der Stereofonie



14. Die nächste industrielle Revolution
Das digitale Zeitalter (Computer, Handys, Pad´s )
Musik wird zur Massenware
Hämmernde Rhythmen und nochmal ansteigende Lautstärke
Demgegenüber stehen Künstler die neue Wege in der Musik suchen
Durch quotenorientierte  Medien findet Kunst kaum noch in der Öffentlichkeit statt
Oft kommt wirkliche Erneuerung und Erkenntnis aus dem Underground
Die Industrialisierung hat alles fest im Griff









 




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