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3. März 2013 7 03 /03 /März /2013 16:21

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Biographie von Theodor W.-Adorno

Theodor Wiesengrund Adorno kommt am 11. Sept. 1903, in Frankfurt, auf die Welt. Sein Vater ist der wohlhabende assimilierte Jude Oscar Wiesengrund. Eine große Rolle spielen dafür zwei Mütter. Theodor Wiesengrund Adorno, genannt Teddie besitzt zwei Mütter. Seine leiblich Mutter ist die vormals kaiserliche Hof-Opernsängerin Maria Calvelli-Adorno delle Piane mit korsisch adeliger Abstammung. Seine zweite Mutter ist Agathe, die unverheiratete Schwester von Maria, eine Pianistin. Die zwei Frauen haben in Adorno schon sehr früh seine Leidenschaft für Musik geweckt und ihn als einziges Kind richtig verwöhnt. Der Vater akzeptiert die Musikalität seines Sohnes und zieht sich zurück. Wegen der heilen Welt die um ihn gebaut wird, sind ihm Ablehnung und Kritik an seiner Person zeitlebens fremd. So konnte es passieren, dass Adorno, später, als anerkannter Wissenschaftler, Vorträge, die das Publikum total überforderten, trotz Buhrufen und Unterbrechungen konsequent durchzog und hinterher davon überzeugt war, dem Publikum ein neues Verständnis eröffnet zu haben.

Aus dieser heilen Welt kommend, empfindet Adorno die Schule als belastend. Er überspringt zwar eine Klasse und überall, außer in Mathematik, hat er ausgezeichnete Zensuren, fühlt sich jedoch von seinen Mitschülern extrem gegängelt.

1921 immatrikuliert er sich an der liberalen Universität Frankfurt für Philosophie, Soziologie, Psychologie und Musikwissenschaften. Nebenher arbeitet er als Musikkritiker und nimmt Kompositionsunterricht. 1924 wird seine Dissertation über Husserls Phänomenologie mit summa cum laude bewertet. Danach zieht er nach Wien, um sich dem Kreis der Zweiten Wiener Schule anzuschließen. Bei Alban Berg, zu dem er eine tiefe Freundschaft entwickelt, nimmt er Kompositionsunterricht. Das Verhältnis zu Schönberg ist eher schlecht. Obwohl Adorno Schönberg sein Leben lang als Meister verehrt, entwickelt sich eine unüberbrückbare Antipathie. Schönberg lehnt Adornos philosophische Arbeit über die Neue Musik ab, da er der Meinung ist, dass sie der neuen Musik schaden würde. Ursprünglich hatte Adorno beabsichtigt dem Kreis um Schönberg beizutreten, merkte aber, dass er zu spät gekommen ist. Er geht zurück nach Frankfurt und beginnt mit seiner Habilitation über den Begriff des Unbewussten in der transzendentalen Seelenlehre. Er zieht seine Arbeit jedoch wieder zurück, da sie nicht ausreichend eigene Erkenntnisse beinhaltete. Später, 1931, habilitiert er erfolgreich über Kierkegaard. Er steigt rasch in dem neu gegründeten Institut für Sozialforschung in Frankfurt auf. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wird ihm die Lehrmöglichkeit von den Nazis entzogen, sodass er beschließt nach Oxford zu ziehen. Obwohl er in Deutschland ein anerkannter Dozent ist muss er dort noch ein weiteres Mal eine Doktorarbeit schreiben. Allgemein fühlt er sich nicht als Emigrant bzw. möchte die Vertreibung nicht richtig wahrhaben. Er sieht sich eher als ein Student auf Forschungsreise. Wegen seiner begrenzten Möglichkeiten in England, und um dem Chef des Institutes für Sozialforschung zu folgen, zieht er nach Amerika und beginnt am International Institute of Social Research in New York zu forschen. Die Forschungsweise der Amerikaner lehnt Adorno jedoch ab. Die empirische Forschungsweise war in Europa noch nicht aufgekommen und wurde in Adornos Augen der Erforschung am Menschen auch nicht gerecht. In Amerika war die Forschung sehr konsumorientiert. Beim Institute of Social Research drehte sich das Forschungsinteresse vor allem um Radioprogramme, welche Lieder bevorzugt wurden und wie sich hohe Einschaltquoten erzielen ließen. Dinge die Adorno als Forscher im marxistisch-freudianischen Sinne extrem ablehnte. 1941 siedelt er dann nach Los Angeles in ein von deutschen Emigranten bewohntes Dorf, wo unter anderem auch Arnold Schönberg lebte. Hier schreibt er seine bekanntesten Bücher unter anderem auch „Die Dialektik der Aufklärung“, „Minima Moralia und“ „Die Philosophie der neuen Musik“. 1949 kommt er nach Deutschland zurück und wird einer der wichtigsten deutschen Philosophen. Ende der 60er Jahre kommt es zum Bruch mit der Studentenschaft. Nach der studentischen Besetzung des Institutes und dem anschließenden Prozess fährt er in den Urlaub, wo er am 6. Aug. 1969 an einem Herzinfarkt und stirbt.

Stellung der Musik zur Gesellschaft nach Adorno

Laut Adorno kündigt sich während der Entwicklung der Neuen Musik ein Standortwechsel der Musik an. Die Musik wandelt sich von einem in sich geschlossenen Bild zu einem Verhalten zur Realität, indem die Realität nicht mehr abgeflacht, sondern in ihrer Zerrissenheit abgebildet wird. Diese Annäherung an die Gesellschaft geschieht bei gleichzeitigem Ausschluss aus ihr. In der vorherigen Zeit, also bis zur Entwicklung der atonalen Musik, hatte sich die Musik praktisch von der Gesellschaft losgelöst, indem sie in ihrem Streben nach Perfektion immer komplizierter und abgehobener wurde. Dadurch verlor sie ihren Bezug zur Realität. Dass es Überschneidungen zwischen Musik und Gesellschaftlichem gab, war an der Musik nie so einfach zu erkennen wie in anderen Kunstgattungen. Das lag zum einen an der fehlenden Gegenständlichkeit der Musik, zum anderen war die Musik in gewisser Weise „autonom“ geworden. Die Musik hat sich selbst immer strengeren Regeln unterworfen und sich dadurch immer mehr von der Realität entfernt. Das erlaubt dem Hörer zwar das Eintauchen in die Musik und das ist etwas, was viele an der Musik schätzen. Sie wird so jedoch ihrem Anspruch, Vermittlung in einer heterogenen Gesellschaft zu schaffen, nicht gerecht. Durch diesen Anspruch wiederrum ist es fast unmöglich Musik bestimmten Klassen zuzuordnen. Diese Zuordnung wurde in der Vergangenheit vor allem dazu genutzt unliebsame Musikrichtungen zu diskreditieren. Bis in das 20. Jahrhundert hat es Musik jedoch nur als Produkt der bürgerlichen Klasse gegeben, die versucht die Gesamtgesellschaft widerzugeben. Weder hat die herrschende Klasse eine eigene Musik entwickelt noch hat das Proletariat dergleichen vollbracht. Beide Gruppen, wobei die die herrschende Klasse als Besitzende ungleich wichtiger ist, haben sich an der bürgerlichen Musik bedient und sie für ihre Zwecke eingespannt ( Referat Julian). Aus diesem Grund ist die Abneigung der Neuen Musik nicht dadurch zu erklären, dass sich die Neue Musik etwa gegen sie gestellt hätte und von einer anderen Position ausgehen würde, sondern sie zerstört das ästhetische Gebilde, das über Jahrhunderte durch die Autonomie aufgebaut wurde. Dieses Gebilde das einen trügerischen Eindruck vermittelte, dass es keine Klassenunterschiede gäbe, wurde von innen heraus zerstört. Dabei opfert die Neue Musik ihre Harmonie, da die gegenwärtige Lage in ihrer Zerrissenheit nicht unter einen Hut gebracht werden kann.

Die neue Musik ist also nicht asoziale Musik, als die sie dargestellt wird. Sie ist vielmehr sozial, da sie dem Menschen die Möglichkeit nimmt in die vermeintliche Humanität zu schlüpfen, die nicht existiert und ihn so aus seiner Utopie reißt und ihm die Sachlichkeit vor Augen hält. Anders als die traditionelle Musik, die für neue Situationen alte Lösungen bietet, bereinigt die Neue Musik die Situation für den Hörer. Sie fungiert als Sündenbock und wird ungeschätzt geopfert. Sie verhallt ungehört im Nichts und wird deshalb von Adorno als die wahre Flaschenpost bezeichnet.

 

 

Adorno Neue Musik und Gesellschaft 0001

 

 

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Adorno Neue Musik und Gesellschaft 0003

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