Alina schriebt nach ihrem - sehr guten - Referat:
Igor Strawinsky versucht in seiner Rede an der Harvard Universität 1939 seinen Zuhörern zu vermitteln, was sein Verständnis von Musik ist.
Er möchte Entwicklung und keine Revolution, deswegen ist er auch kein Revolutionär. Kunst und so auch Musik sind konstruktiv, denn es stehen Ideale wie Absicht, Arbeit, Idee und Konzept dahinter. Als Musiker setzt man etwas in die Gegenständlichkeit ein, produziert Töne und gestaltet die Zeit. Dagegen bedeutet Revolution Blut, Tod und Chaos.
Die Kunst kann so nicht sein, sondern nur konstruktiv wirken. So mag ein musikalischer Komplex noch so provokant sein, er ist da rechtmäßig, wenn es authentisch ist.
Wenn ein Künstler etwas aus seinem Inneren preisgeben will, so muss er die Freiheit um sich haben, um es authentisch darstellen zu können. Und so kann derjenige, der authentisch ist auch ruhig provokant sein.
Kunst ist dort, wo etwas mit einer Absicht geschieht, Kultur da, wo es über das Alltägliche hinauskommt. Vögel machen beispielsweise keine Kunst, da sie aus Instinkt oder des Paarungstriebes Willen Töne von sich geben.
Der menschliche Geist ist belebend und schöpferisch. Bevor Musik geschaffen werden kann, muss ein Wille da sein, um sie auszudrücken. Die Musik wird mit 2 entscheidenden Elementen gestaltet – Ton und Zeit. Jenseits dieser 2 Elemente gibt es keine Musik, denn Musik ohne Zeit ist nicht denkbar. So ist auch eine musikalische Pause eine zeitliche Einheit. Musik ist Zeitkunst oder Chronomonie.
Wie sortiert man die Zeit richtig, damit Musik entsteht:
Man braucht ein Metrum, das die Zeit in gleichlange Häppchen teilt, wobei alle Schläge gleich lang sind. Je nachdem wie lang die Schläge sind, ist der Abstand zwischen den Schlägen variabel.
Der Takt schafft Hierarchie, deswegen sind die Schläge nicht mehr gleich wichtig, denn immer nur der erste Schlag im Takt wird betont. (MTJ: natürlich sind die Schläge nach wie vor glei lang)
Der Rhythmus braucht die Basis von Metrum und Takt. So gesehen ist natürlich eine Aussage wie "der Rhythmus wird schneller" völliger Blödsinn.
Sophia analysiert den Beginn des "Sacre":
Stravinsky „Le sacre du printemps“
1. Teil: Das Fagott beginnt auf eine ruhige, verspielte Art. Die Bläser und dann die Streicher setzten nacheinander ein. Anfangs erscheint die Richtung unklar. Sie findet sich aber mit Hilfe spielerischer Elemente, bevor es dann zum völligen Chaos kommt. Dies wird auch durch den Rhythmus verursacht, da man keinen Takt hören kann. Verschiedene Motive treten öfter auf. Stravinsky geht an die Grenzen, was den Raumklang betrifft. Er bedient sich nicht eines überdimensional großen Orchesters, sondern einem großen Tonumfang, von der Piccoloflöte bis zum Kontrabass, sowie kleinen flirrenden Bewegungen in den Bläsern.
2. Teil: Dieser Teil ist treibend, intensiv und bombastisch, während er durch hohe Holzbläsereinwürfe gestört wird. Der durchgehende, gleichmäßige Rhythmus, mit den metrischen Achteln, stellt den Puls dar. Es lässt sich aber auch hier nicht der konsequente 2/4 Takt ausmachen, da die Akzente willkürlich und ohne System gesetzt sind. Die Holzbläser haben ein kleines, schlichtes, tonleiterartiges Motiv. Es folgt ein Kanon mit schlichten Motiven in Dur.