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Richard Strauss

Julians Handout::

 

 

Musik im Nationalsozialismus
• Als Hitler 1933 an die Macht kam, veränderte sich auch im kulturellen Bereich so einiges.
• Die Machthaber wollten den gesamten kulturellen Bereich unter ihre Fittiche bringen und strebten nach einer
einheitlichen Kulturpolitik. Damit das Volk ausnahmslos auch politisch folgen würde, musste eine Gleichschaltung
vor allem auch auf kultureller Ebene vorangetrieben werden.
• Die nationalsozialistische Musikpolitik hat nicht eine von Grund auf neue Richtung eingeschlagen. Das deutsche
Volk sollte sich lieber wieder auf die gute alte Deutsche Musik besinnen. Mit der deutschen Musik waren vor
allem die Werke der Klassik und der Romantik gemeint, also die eines Beethoven, Mozart, Haydn, Wagner oder
des noch lebenden Richard Strauss.
• Musik sollte nach Hitlers Ansicht vor allem klanglich schön sein, begeistern, innerlich berühren und nicht
unbedingt politischen Inhalt vermitteln.
• So passte also die Deutsche Musik der Klassik und Romantik mit ihrer Dur-moll-Tonalität, ihrer Melodiösität und
ihrer Fasslichkeit sehr gut in das Weltbild der Nationalsozialisten.
• Obwohl von den Nazis also nicht verlangt wurde, dass die Komponisten ihren Werken nationalsozialistischen
Inhalt transportieren, so standen Politik und Musik aber doch in einer engen Beziehung: Dem Künstler wurde
zwar gewährt unpolitisch zu sein, aber er unterlag staatlicher Kontrolle und musste sein Schaffen nach den
staatspolitischen Normen ausrichten.
• Man wollte sich vor allem von allem „Undeutschen“ lösen. Als „undeutsch“ galt vor allem die atonale Musik und
der Jazz. Auch die antisemitische Rassenideologie der Nazis hatte großen Einfluss auf die Musik, weil zahlreiche
Komponisten jüdischer Herkunft waren und nach und nach aus dem deutschen Musikleben entfernt wurden.
• Kompositionen und Kompositionsweisen früherer Jahre wurden also als die Musik des neuen Staates deklariert
oder akzeptiert. Deren Schöpfer rückten zu künstlerischen Repräsentanten des neuen Regimes auf. So auch
Richard Strauss.
Die Rolle von Richard Strauss
• Richard Strauss war vor allem während der Zeit des Kaiserreichs zu internationaler Berühmtheit gelangt.
• Vor allem aber Strauss‘ Rolle im Nationalsozialismus ist bis heute sehr strittig. Zwar galt er als unpolitisch,
allerdings hat er mit dem NS-Regime zusammengearbeitet und versucht die politisch vermeintliche Gunst der
Stunde für seine Interessen zu nutzen.
• Strauss Musik war genau das, was die Nationalsozialisten an den Opernbühnen sehen wollten: Sie beinhaltete
eine strenge Ordnung der Dur-moll-Tonalität, war absolut tendenzfrei und Ideologie-unverdächtig. Strauss sollte
der Repräsentant des Reiches im Bereich der Musik sein, das kulturelle Aushängeschild.
• Bereits im Sommer 1933 war Strauss den Nazis angenehm aufgefallen, als er für Komponisten Bruno Walter und
Arturo Toscanini einsprang, die mit dem Rassenwahn des NS-Regimes in Verbindung gekommen waren und
nicht ihre Konzerttermine wahrnehmen konnten.
• Dieser Schritt von Strauss wurde in der ganzen Welt mit Bestürzung zu Kenntnis genommen und er galt in der
ausländischen Presse als Antisemit
• Das war der Beginn seiner Karriere unterm Nationalsozialismus.
• Im November 1933 ernannte Goebbels Strauss im Rahmen der Eröffnung der Reichskulturkammer zum
Präsidenten der Reichsmusikkammer.
• Mit der Errichtung der RMK und der damit verbundenen Zwangszugehörigkeit für alle Musiker hat für die
deutsche Musik ein neuer Zeitabschnitt begonnen. Wer nicht in der RMK war, galt nicht als Berufsmusiker und
durfte für seine Dienste nicht entlohnt werden. Für Juden war es zudem sehr schwer in die RMK zu kommen.
• Strauss‘ Ziel war es jetzt vor allem, klassische und romantische Musik als verbindliche kompositorische Norm
durchzusetzen, was ja auch das Ziel der Nazis war. Das konnte nur in einer Diktatur und nach dem Führerprinzip
durchgesetzt werden. Schon 1928 hatte sich Strauss gegenüber Freunden über die Notwendigkeit einer Diktatur
geäußert, nur eine Diktatur könne noch weiteres kulturelles Unglück vermeiden.
• Im Februar 1934 hielt Strauss drei Reden, in denen er klar für Hitler Partei ergriff:
• Weltanschauliche Voraussetzungen hatten in den früheren Systemen gefehlt, um musikpolitisch effektiv tätig zu
werden. Hitler habe dafür die Voraussetzungen geschaffen.
• Er gab sich in seinen Reden zudem als großer Revolutionär: Er kündigte die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit,
Ankurbelung der Musikinstrumenten-Industrie, Neuregelung des Urheberrechts, Einführung von Tarifverträgen,
Altersvorsorge und Versicherung für Musiker, die Förderung der musikalischen Erziehung und die Neugestaltung
des deutschen Konzert- und Opernbetriebs an.
von Julian Budjan
Alle Informationen entstammen dem Werk „Richard Strauss 1933-1935“ von Gerhard Splitt.
• Er erklärte auch, dass es jetzt eine Verwertungsanstalt für das Gebiet der musikalischen Aufführungsrechte gäbe,
die Stagma (wurde 1945 von den Alliierten in GEMA umbenannt).
• Strauss machte sich als Präsident der Stagma diese zu eigen und setzte die Ausschüttung der Beteiligungen an
E-Musiker deutlich höher an als die der U-Musiker. Vor allem neue Kompositionstechniken wurden dabei viel
schlechter bewertet als die traditionellen Techniken und Orchestermusik wurde gegenüber der elektronischen
Musik siebenmal höher bewertet und entlohnt.
• Im Sommer 1934 veröffentlichte Strauss eine Reform für alle Berufsmusiker: Wer keine ausreichenden
Zeugnisse vorweisen konnte, musste eine Prüfung ablegen, die die Berufsmusiker in drei Klassen einteilte.
Musiker, die es nicht schafften, in einer der drei Klassen eingeordnet zu werden, hatten sehr schlechte berufliche
Chancen, denn ihnen konnten allenfalls beantragte Tagesausweise ausgestellt werden. Ansonsten galt
Berufsverbot für sie.
• Strauss wollte durch diesen Schritt von den 120.000 Berufsmusikern ca. 40.000 in andere Berufe drängen, weil
er schätzte, dass ungefähr so viele unbegabt und nicht geeignet für den Beruf des Musikers waren.
• Schon 1890 war es Strauss‘ Wunschtraum gewesen, auf den gesamten italienischen und französischen
„Opernkram“ eines Tages verzichten zu können. Er hatte die Vorstellung die deutsche Theaterkultur wieder
aufzuwerten, indem das ausländische Repertoire auf ein Drittel des Spielplanes begrenzt wird, außerdem wollte
er eine Entfernung aller Operetten aus den großen Musiktheatern durchsetzen.
• Gerade aber von solchen Reformen wollte man an oberster Stelle nichts wissen. Bündnispartner Italien würde es
sicherlich nicht gutheißen, wenn man die Werke italienischer Künstler nahezu verbannen würde, und die
gänzliche Entfernung der Operetten stellte sich auch gegen die Interessen der Nazis, weil diese
Volksverbundenheit vermitteln würden.
• Strauss ist sehr enttäuscht über die Ablehnung seiner Reformpläne.
• Strauss hielt nicht sehr viel vom Jazz, so benutzte er bei Aufführungen aus Prinzip kein Saxophon, denn dieses
Instrument sei vom Jazz prostituiert worden. Strauss bezeichnet den Jazz als eine scheußliche, kannibalisch
anmutende Musik, einem US-Journalisten gegenüber sagte er auch: Sie kommt mir immer vor wie die Musik am
Hofe des Hunnenkönigs Attila.
• Strauss war schon immer ein Jünger der klassischen und romantischen Musik und ihm widerstrebte die „Neue
Musik“ zutiefst, weshalb er sie auch als „Bockmist“ bezeichnete und außerdem über sie sagte: „Mit der Impotenz
gibt es kein Auseinandersetzen, sondern nur Bedauern.“
• Strauss sah die atonale Musik auch als Konkurrenz für seine eigenen Werke an, da sich in der Weimarer
Republik seine Aufführungszahlen verringerten.
• Die atonale Musik musste seiner Meinung nach bekämpft, wenn möglich vernichtet werden.
• Seine Akzeptanz des NS-Regimes geht vor allem auf seine Ablehnung der Atonalität zurück.
• Strauss kommt gerade in den 30er Jahren zu dem Schluss, dass die Entwicklungslinie der deutschen Musik, so
wie er sie verstand: Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Liszt, Berlioz, Wagner, in ihm, Strauss, nicht nur seinen
Abschluss gefunden habe, sonder dass er zugleich der letzte Höhepunkt der Kulturgeschichte der Menschheit
sei. Er sieht sich also als letzten Ausläufer der deutschen Musik.
• Ende 1934 dachte man in der NSDAP darüber nach, Strauss loszuwerden, denn für das NS-Regime war wegen
Strauss‘ internationalem Ansehen immer schwieriger geworden, ihn in seinem Handeln zu zügeln, außerdem
besaß er nicht die gewünschte antisemitische Haltung.
• Strauss ließ sich zu einem Brief an seinen Freund und Partner Stefan Zweig hinreißen, in dem er sich kritisch
über das NS-Regime äußerte. Der Brief wurde von der Gestapo abgefangen und führte zu seiner Entlassung aus
der RMK.Strauss traf seine Entlassung hart, denn er glaubte mit seiner guten Beziehung zu Goebbels, den
Sympathien von Göring und der Verehrung von Seiten Hitlers über jede Kritik erhaben zu sein.
• Eins war Strauss auf jeden Fall nicht - ein Antisemit. Neben seiner Schwiegertochter und seinem Partner Zweig
war sogar Strauss‘ Verleger jüdisch. Das Problem war, dass er sich Im Privaten zwar vollmundige Bekenntnisse
leistete, in der Öffentlichkeit allerdings zu keinerlei Solidaritätsbekundungen in der Lage war und immer passiv
blieb. Strauss hat die politische Situation in Deutschland nie richtig begriffen. Er glaubt noch bis zum Ende, dass
er als Künstler als unpolitisch zu gelten habe und ihm die künstlerische Freiheit zustehe. Trotz der
Negativerlebnisse hat er nie einen Gesinnungswandel oder politische Einsicht durchlaufen. Seine verärgerten
Aufzeichnungen, sind ganz einfach Unmutsbezeugungen, weil er sich in seiner Ehre verletzt gefühlt hatte. Nach
seiner Entlassung als Künstler nach wie vor geschätzt und hatte in den folgenden Jahren noch einige
Uraufführungen in Deutschland.
von Julian Budjan
Alle Informationen entstammen dem Werk „Richard Strauss 1933-1935“ von Gerhard Splitt.

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