Alina schreibt:
Debussy und Monet
im Vergleich
Obwohl sich Claude Debussy und Claude Monet mit zwei völlig unterschiedlichen Kunstbereichen auseinandersetzten, verwendeten sie ähnliche Stilmittel und Methoden, die heute charakteristisch für den Impressionismus sind.
Monets Bilder scheinen zu "verschwimmen", die Konturen gehen ineinander über (es scheint sie nicht zu geben), denn Monet malte Licht und keine klaren Formen. Betrachtet man nur einzelne Bereiche eines Werkes, fällt es schwer aus den verschiedenen Farbflächen ein eindeutiges Motiv zu erkennen. Erst wenn der Betrachter das ganze Bild erfasst, wirkt es gegenständlich für ihn. Monet befasste sich also mit der Auflösung der Konturen, nicht aber ihrer der "Zerstückelung".
Debussy arbeitete auf ähnliche Weise: in einzelnen Abschnitten seiner Werke ist eine Tonalität nicht eindeutig zu bestimmen. Erst an Hand des gesamten Stückes kann man zumindest eine Tendenz erkennen. Wie Monet, lässt er verschiedene Klangfarben in einander überfließen, sodass der Zuhörer die Musik mit einem Bild oder mit bestimmten Farben assoziiert. Seine Werke wirken leicht und schwebend, als hätten sie weder Form noch Struktur und erzeugen ein Gefühl von Auflösung und Unbestimmtheit. Jedoch ist dieser Effekt von Debussy bewusst herbeigeführt - hinter der scheinbaren Auflösung der Form steht ein klarer Plan. Debussy überließ bei seinen Kompositionen nichts dem Zufall, er "entgrenzte in klaren Strukturen".
Man vermutet heute, dass Debussy Synästhetiker war. Die Synästhesie wird erst seit wenigen Jahren untersucht, es ist aber anzunehmen, dass es sie schon immer gegeben hat. Sie beschreibt die Kopplung von mindestens zwei Sinnen, die zwar physisch von einander getrennt sind, aber von dem Synästhetiker zusammenhängend wahrgenommen werden: z.B. kann ein bestimmter Geschmack oder ein Geruch für die betreffende Person die Farbe Blau haben. Oder die Wahrnehmung eines Klangs ist im Kopf des Synästhetikers mit einem bestimmten Bild verbunden. Zwar kann man heute nicht mehr nachweislich feststellen, ob Debussy wirklich Synästhetiker war, man ist sich dessen auf Grund seiner mit starken Assoziationen verbundenen Werke jedoch sehr sicher. Außerdem ließ sich Debussy für seine Musik nicht selten von Bildern inspirieren - die meisten seiner Werke behandeln Naturmotive.
Zum Hörbeispiel “Prélude à L’après-midi d’un faune”
Die Geschichte handelt von einem Faun (ein männliches Fabelwesen, das den Oberkörper eines Mannes hat und auf zwei Bockbeinen mit Hufen geht). Zu Beginn des Stücks fällt der Faun in einen leichten Schlaf. Er träumt von Nymphen, weiblichen Naturwesen, die sich in einem Teich im Wald baden. Er sieht ihnen dabei zu und erlebt die Schönheit des Licht- und Schattenspiels der kleinen Wellen auf den Körpern der schönen Nymphen. Am Ende des Stückes wacht der Faun wieder auf. Der Text stammt von dem impressionistischen Dichter Stephane Mallarmé. Auch er arbeitete bei seinen Versen mit der Auflösung der alten Formen und Strukturen.