Samuel schreibt:
Mensuralnotation (Fortsetzung):
...zwar sahen 3 Silben im ternären bzw. binären System gleich aus, dennoch konnten sie unterschiedlich lang sein. Auf Grund dieser Problematik begann man Notengruppen mit Hilfe von Divisionspunkten zu trennen:

Wollte man nun eine Note (bzw. Silbe) verlängern, so fügte man ihr im binären System einen Additionspunkt an (nicht zu verwechseln mit dem gleich aussehenden Divisionspunkt).
Dies hat sich bis heute vereinfacht, blieb aber grundsätzlich erhalten:

Nicht nur die Punktierung existiert heute noch, auch Taktstriche (nach dem Ende einer Strophe oder eines Abschnittes) und Pausen (in verschiedenen Längen) wurden schon damals verwendet:

Dieses, dem heutigen sehr ähnliche System entwickelte sich parallel zum komplexen Notensystem innerhalb von nur 50 bis 60 Jahren.
Ligaturen:
Als Ligatur bezeichnet man ein Symbol das mehrere Noten zusammenfasst.

Eine solche Gruppe von Noten konnte auch Informationen über den Rhythmus enthalten:

Wenn auch in anderer Form, Rhythmusgruppen gibt es noch heute, beispielsweise zwei zusammenhängende Achtelnoten:

Die Ligaturen erfüllten einen nicht nur praktischen Sinn, sondern entzückten auch optisch, was damals wichtig war.
Nun, da man eine Möglichkeit gefunden hatte, auch komplexere Werke festzuhalten, war es möglich, Choräle, Lieder, Gesänge oder auch ganz neue Gattungen weiterzugeben, aufzubewahren, zu tauschen und immer wieder gleich zu spielen.
Mit den ersten Noten tauchen durch die nun mögliche Überlieferung der Namen Komponisten auf.
3 Berühmte darunter sind:
Petrus de Cruce (*etwa 1250 † 1320), auch ein bekannter Musiktheoretiker,
Adam de la Halle (*etwa 1237 † 1286), ebenfalls Autor von Theaterstücken und
Guillaume de Machaut (* etwa 1300 † 1377), der zum ersten Mal eine Messe vertonte.
Zur Erinnerung:
Eine Messe setzt sich zusammen aus, bei jedem Anlass gleich bleibenden Texten (Ordinarium). Das sind: Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei.
Nachdem Guillaume de Machaut erstmals eine Messe, in der für seine Zeit üblichen Vokalmusik, vertont hatte „boomten“ vertonte Messen in der Renaissance geradezu. Instrumente waren hier nun nicht mehr wegzudenken.
Isorhythmie:
Das komplizierte isorhythmische System besteht aus sich wiederholenden Rhythmen. Dabei wechseln sie üblicherweise die Melodien.
Jede Stimme hat einen klaren Rhythmus, ist aber selbstständig und läuft parallel zu den Anderen. Bisher funktionierte die Musik nur in Einzelstimmen, nun kombinierte man: An einzelnen Punkten in einem Stück achtete man beispielsweise darauf, dass sich die Stimmen zum „perfekten Klang“ für einen kurzen Moment trafen („perfekten Klang“ = der häufig mit dem Mittelalter verbundene Klang von Prim, Quinte und Oktav).
Hier bleibt zu erwähnen, dass es sich nur um ein rhythmischen, nicht um ein melodisches System handelt.
(Hörbeispiel: „Messe de Nostre Dame“ –eingebunder Flash-Player:)
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